Rollator

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Längst hat der Rollator den guten alten Gehstock abgelöst. Die fahrbare Gehhilfe ist aus unserer Gesellschaft kaum noch wegzudenken. Erfunden wurde das Hilfsmittel 1978 von der Schwedin Aina Wifalk. Sie war aufgrund einer Kinderlähmung gehbehindert. Anfang der Neunzigerjahre eroberte er das Gefährt auch den deutschen Markt. Sogar Discounter bieten inzwischen preiswerte Gehwagen für ca. 100 Euro an. Kaum jemand hätte sich anfangs träumen lassen, dass das Geschäft mit dem Rollator so boomen würde. Die deutschen Händler waren davon überzeugt, dass hierzulande niemand damit durch die Gegend fahren würde. Sie irrten gewaltig. Mehr als 500.000 Rollatoren werden jährlich allein über die gesetzlichen Krankenkassen abgerechnet. Elisabeth Thomas, Ärztin bei der DAK-Gesundheit, ist nicht glücklich über diese Entwicklung. Ihrer Meinung nach werden diese Gehhilfen viel zu schnell verschrieben. Es sei besser, „sich so lange wie möglich ohne Hilfsmittel fortzubewegen.“

Ausflug mit dem Rollator © famveldman, fotolia.com
Ausflug mit dem Rollator © famveldman, fotolia.com

Als vorübergehendes Hilfsmittel gedacht

Häufig greift der Arzt dann zum Rezeptblock, wenn große Unsicherheiten beim Gehen bestehen, z.B. nach einem Schlaganfall oder einer Hüftgelenksfraktur. Ursprünglich war der Rollator nur als vorübergehende Unterstützung für den Patienten gedacht. Ziel sollte es eigentlich sein, den Patienten wieder so weit mobil zu machen, dass er ohne Hilfsmittel laufen kann. Unerlässlich sind daher physiotherapeutische Maßnahmen, die Kraft, Beweglichkeit und Gleichgewichtssinn fördern und Kurse zur Sturzprävention. In den meisten Fällen jedoch ist der Rollator im Dauereinsatz. Einmal Rollator, immer Rollator – könnte man sagen. Wer längere Zeit den Rollator benutzt, gewöhnt sich daran. Er verlernt das normale Gehen. Die Angst zu fallen, mag mit Rollator geringer sein. Doch auch mit dem Rollator kommen Stürze häufig vor. Und dann sind die Verletzungen schwerer als ohne Rollator.

Rollatorfahren will gelernt sein

Erst einmal im Besitz des Gefährts, stellen viele Patienten fest, dass es nicht so leicht ist, damit zurechtzukommen. Schon allein das richtige Bremsen will geübt sein. Mit Gefühl und beidseitig muss es erfolgen und das möglichst rechtzeitig vor einem Hindernis. Doch genau damit sind Rollator-Anfänger oft überfordert. Wenn nur eine Bremse betätigt wird, dreht sich der Rollator nämlich im Kreis wie ein tanzender Derwisch. Ein Unfall ist vorprogrammiert. Nasses Herbstlaub, hohe Bordsteinkanten und der Einstieg in öffentliche Verkehrsmittel verlangen vom Benutzer geschicktes Handling. Gefährlich wird es auch, wenn das Gefährt bei Einkäufen hoffnungslos überladen wird. Um Fehlhaltungen zu vermeiden, sollte ein Rollator auch unbedingt individuell auf die Person eingestellt werden.

Tipp: Rollator-Führerschein. Erkundigen Sie sich, welche Organisation in Ihrer Nähe ein Fahrtraining für Rollator-Besitzer anbietet. Inzwischen gibt es die Kurse fast flächendeckend. Sie sind lohnend und vermitteln Sicherheit.

Für jeden Zweck das passende Modell

Im Pflegeheim wirft eine ältere Dame begehrliche Blicke auf das neuste Rollator-Modell ihres Tischnachbarn, das mit Hupe, LED-Leuchte, Schirmhalter, Rückspiegel und Einhandklappmechanik alle anderen Rollatoren in den Schatten stellt. Längst ist der Rollator zum Statussymbol avanciert. Luxusausführungen können bis zu 1000 Euro kosten. Verschrieben bekommt der Patient nur das Standardmodell. Sonderwünsche kosten extra.

Rollatoren gibt es für jede Gelegenheit – neben der Outdoor-Variante für die Stadt und zum Wandern bieten die Hersteller Wohnungsrollatoren in Leichtbauweise und in schickem Design an. Die Zukunft lässt keine Wünsche offen. Schon arbeitet ein Stuttgarter Startup-Unternehmen daran, einen Rollator mit elektrischem Antrieb auf den Markt zu bringen.

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