Altersgerechte Assistenzsysteme

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Mehr Mobilität durch altersgerechte Assistenzsysteme

AAL – dieser Begriff taucht immer häufiger in den Medien auf. AAL ist die offizielle Abkürzung für „Ambient Assisted Living“ und bedeutet auf Deutsch übersetzt: Alltagsunterstützende Assistenzsysteme. Darunter versteht man Produkte und Dienstleistungen, die vor allem das Leben von älteren oder eingeschränkten Menschen erleichtern sollen.

AAL basiert auf intelligenter Smart-Home-Nutzung. Smart Home Systeme gibt es schon länger: Computergesteuerte Geräte, die miteinander vernetzt werden können und auf diese Weise ein „intelligentes“ Zuhause schaffen. Da ist zum Beispiel die Heizung, die „mitdenkt“. Sie reagiert auf die Wettervorhersage, schafft ein optimales Raumklima und spart dabei Energiekosten. Jalousien bewegen sich wie von Geisterhand hinauf oder hinunter – je nach Lichteinfall. Die Waschmaschine setzt sich zu einer Tageszeit in Bewegung, wenn der Stromtarif am günstigsten ist.

Smart Home war ursprünglich nicht für ältere oder mobilitätseingeschränkte Menschen gedacht. Erst das Fraunhofer Institut entwickelte diese Technologie weiter zum „Ambient Assisted Living (AAL) System“, das sich am Bedarf der älteren und/oder körperlich eingeschränkten Personen orientiert.

Das Forschungsministerium hat 125 Millionen Euro für AAL-Entwicklungen zur Verfügung gestellt. In Anbetracht der demografischen Entwicklung in Deutschland ist dies eine sinnvolle Geldanlage.

Smart Home © Artur Marciniec, fotolia.com
Smart Home © Artur Marciniec, fotolia.com

Smart Home statt Pflegeheim

Wir möchten Sie in das Haus eines Seniors mitnehmen, der bereits das derzeitige Potenzial der AAL-Technologien in gutem Umfang nutzt. Herr Müller ist rüstige 79 Jahre alt, hat einen Herzschrittmacher und lebt allein in einem schönen Bungalow. Er versorgt sich selbstständig. Ab und zu kocht er für sich. Meistens geht er jedoch essen. Einmal wöchentlich kommt eine Haushaltshilfe, die für ihn putzt und nach dem Rechten sieht.

Wenn Herr Müller seine Wohnung betritt, geht in der gesamten Wohnung automatisch das Licht an. Auch nachts, wenn er zur Toilette muss, weist ihm eine Lichtleiste den Weg zum Bad. Sie reagiert, sobald seine Füße Kontakt zum Boden bekommen. Liegt Her Müller wieder in seinem Bett, schaltet sich das Licht aus. Einmal wurde ihm nachts schwindlig. Er fiel um und lag bewusstlos auf dem Boden. Dank der integrierten Sturzsensoren wurde automatisch die Rettungsleitstelle alarmiert, die innerhalb weniger Minuten bei Herrn Müller eintraf und die notärztliche Versorgung übernahm.

Nutzen auch für Angehörige hoch

Nach seiner Schwindelattacke war seine Tochter sehr besorgt. Herr Müller willigte daraufhin ein, sein AAL-System direkt mit dem multimedialen Netzwerk seiner Tochter zu verbinden. Sensoren registrieren nun seine Bewegungen und Aktivitäten. Sollte irgendetwas anders sein als sonst – sei es, dass er morgens nicht aufsteht, die Dusche nicht benutzt oder nicht lüftet – würde seine Tochter automatisch per SMS alarmiert. „Das klingt nach Kontrolle, gibt mir aber Sicherheit“, sagt Herr Müller.

Natürlich könnte Herr Müller über sein Notrufarmband auch Hilfe holen, doch dazu müsste er den Knopf betätigen. Das geht nur, solange er bei Bewusstsein ist. Hier ist sein AAL-System klar im Vorteil. Es ist in der Lage, Ausnahmesituationen zu erkennen und zu melden.

In ein Seniorenheim möchte Herr Müller nicht. „Jedenfalls nicht, solange er noch einigermaßen allein zurechtkomme“, lacht er. Er liebt die lauen Sommerabende in seinem idyllischen Garten. Das Rasenmähen übernimmt ein automatischer Mähroboter, der fast lautlos seinen Dienst verrichtet, während Herr Müller mit seiner Nachbarin ein gutes Tröpfchen genießt.

Smarter wohnen

Herr Müller hört nicht mehr gut und hat sich für eine Video Türsprechanlage entschlossen, die über ein spezielles Lichtsystem mit allen Räumen verbunden ist. So sieht er, wenn es an der Tür klingelt und er kann auch gleich erkennen, wer es ist.

Herr Müller macht es sich auf seiner Ledercouch bequem. Mit einer lässigen Handbewegung deutet er auf seinen Fernseher, der sich daraufhin selbsttätig einschaltet. Aus der Küche ertönt ein aufdringlicher Piepston. „Mein Medikamentenspender“, erklärt Herr Müller. Das Gerät erinnert ihn durch ein akustisches Signal, wenn er seine Tabletten nicht genommen hat.

Ist der Herd abgeschaltet? Habe ich die Heizung runtergedreht? Den Wasserzulauf an der Waschmaschine zugedreht? Das Bügeleisen ausgesteckt? Herr Müller vergisst schon mal das eine oder andere. „Früher, wenn ich in den Urlaub oder zu meiner Tochter fuhr, habe ich mir den Kopf mit solchen Fragen zermartert“, sagt Müller. Jetzt betätigt er beim Verlassen des Hauses einfach einen Zentralschalter und kann vor bösen Überraschungen sicher sein. Einem unbeschwerten Urlaub steht nun nichts mehr im Wege.

Blick in der Zukunft

In Zukunft soll der Markt der „Ambient Assisted Living“ Anbieter und Produkte weiter ausgebaut werden. Die Bundesregierung hat in Ihrem aktuellen Pflegepaket bereits die Weichen dafür gestellt und arbeitet aktiv an weiteren Lösungen. Schon aus Kostengründen wird die Devise „Ambulant vor Stationär“ weiter unterstützt. Die ersten Muster-Immobilien wurden schon mit AAL ausgestattet und die Nachfrage war groß.

Folgende nützliche Projekte befinden sich noch in der Erprobungsphase:

  • Einkaufsassistent:
    Der Bewohner hinterlegt in seinem Assistenzsystem seine Einkaufsliste. Er wird daraufhin über die Supermärkte in der Umgebung sowie über Öffnungszeiten, Preise und das Warenangebot informiert. Alternativ verbindet sich der Einkaufsassistenz mit einem Dienstleister, der die bestellte Ware dann direkt nach Hause liefert.
  • Ernährungsmanager:
    Er stellt für den Nutzer unter Berücksichtigung der gesundheitlichen Vorgeschichte einen individuell erstellten Speiseplan zusammen. Der Manager gibt Kochtipps und bietet Rezepte aus aller Welt und für alle Geschmacksrichtungen an. Das Gewichts-Monitoring überwacht das aktuelle Gewicht. Es macht auf starke Abweichungen nach oben oder unten aufmerksam und gibt individuelle Bewegungstipps. Auch eine Terminanfrage beim Hausarzt kann ausgelöst werden.
  • Ambiente Audiosteuerung:
    Dieser Prototyp sucht vorhandene Ausgabegeräte im Raum, in dem sich der Anwender aufhält und spielt Musik nach den Wünschen und abgespeicherten Vorgaben des Anwenders ab.
  • Intelligente Wäschekörbe:
    Sie sortieren die Wäsche selbstständig und sind mit Waschmaschine und Trockner verbunden. Die vorsortierte Wäsche wird in die Maschine gegeben, die dann noch einmal prüft, ob sich kein Wäschestück „verirrt“ hat. Besonders für demente Menschen kann dies eine wichtige Hilfe bei der Bewältigung der Alltagstätigkeiten sein.
  • Ambiente Gehöranpassung:
    Die Gehörleistung des alternden Menschen ist ein voranschreitender Prozess. Das System passt die Lautstärke der angeschlossenen Audiogeräte im ganzen Haus automatisch an den individuellen Hörverlust des Betroffenen an.
Tipp: Ob und wie AAL-Technologien gefördert und finanziert werden, erfahren Sie in unserer Kategorie „Ratgeber“.

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