Alt werden damals und heute

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In der Antike fielen die Urteile über das Alter sehr unterschiedlich aus. Die Spartaner achteten den älteren Menschen so hoch, dass nur die über 60-Jährigen in den politischen Ältestenrat aufgenommen wurden. Und auch der griechische Philosoph Platon (427-347 v. Chr.) konnte dem Alter durchaus Positives abgewinnen. Wenn jemand mit dem Alter Probleme habe, dann – so Platon – liege das nicht am Alter, sondern am Charakter des Menschen. Das war starker Tobak. Aber Platon ging sogar noch weiter. Das Älterwerden bringe auch Vorteile mit sich, behauptete er. Mehr Gelassenheit zum Beispiel und die Fähigkeit, den Blick auf höhere Werte zu lenken, für die man in der eher triebgesteuerten Jugendzeit kaum Verständnis habe.

Platons Schüler Aristoteles (384-322 v. Chr.) hingegen konnte sich für das Alter nicht recht erwärmen. Er war der Ansicht, dass die alten Menschen allesamt schwer zu ertragen seien. Er hielt sie für egoistisch, launisch, misstrauisch, geizig und kleinkariert. Vor allem ihr Pessimismus machte dem antiken Denker schwer zu schaffen. Alte Menschen – so sah es jedenfalls Aristoteles – machen die Vergangenheit zum alles beherrschenden Thema, weil sie nur noch wenig Zukunft vor sich haben. Und da die meiste Zeit ihres Lebens nicht besonders rosig war, nörgeln und jammern sie, was das Zeug hält und tragen so dazu bei, dass die Stimmung ihrer Mitmenschen auf den Tiefpunkt sinkt. Das Alter präsentierte sich Aristoteles als eine Art „natürliche Krankheit“.

Der römische Komödiendichter Terenz brachte 161 v. Chr. die Sache noch deutlicher auf den Punkt: „Das Alter selbst ist die Krankheit.“ Diese Einstellung hat sich bis heute erhalten und sogar noch verdichtet. Das Alter gilt nicht mehr als unabdingbarer Teil des Lebens, sondern als Fehler der Natur, der schleunigst behoben werden muss.

Auf der Suche nach dem Jungbrunnen

„Keiner will alt sein, doch jeder will alt werden“, hört man spöttische Zungen oft sagen. Dieser Zwiespalt ist nichts Neues. Schon immer waren die Menschen auf der Suche nach einem „Jungbrunnen“, der den Traum von der ewigen Jugend erfüllen sollte. Forscher machten sich Gedanken darüber, wie man das Leben im Diesseits verlängern könne. Sie erkannten, dass Hygiene, Ernährung, Bewegung und die medizinische Versorgung eine entscheidende Rolle spielen, wenn es darum geht, ein hohes Alter zu erreichen. Die Konsequenzen, die man aus dieser Lehre zog, bewirkten, dass sich die durchschnittliche Lebenserwartung von etwa 40 Jahren im 18. Jahrhundert auf rund 80 Jahre im 20. Jahrhundert verdoppelte. Im 21. Jahrhundert sind 100-Jährige schon keine Ausnahme mehr.

Bewegung tut gut: Wandern mit Hund © Robert Kneschke, fotolia.com
Jung gebliebenes Paar © Robert Kneschke, fotolia.com

Neues Wundermittel gegen das Altern?

Und auch, wenn dies für viele Menschen schon zu viel des Guten ist, geben die Forscher den Traum von der Unsterblichkeit nicht auf. Zu groß ist der Wunsch, Alter und Tod ein Schnippchen zu schlagen. An der Harvard-Universität pflegen Experten die Vision von einer alterslosen Gesellschaft. Gelingt es, die Zellteilung so zu beeinflussen, dass sich die menschlichen Zellen beliebig oft teilen, ist ein extrem langes Leben möglich. Das Geheimnis liegt in dem Enzym Telomerase, das das Absterben der Zellen verhindern soll. Das Wunder-Enzym verhindert nicht nur Krankheiten wie Alzheimer und Herzleiden; es hält auch den natürlichen Alterungsprozess von Haut und Haaren auf. Dank Telomerase könnten wir dann sogar noch in hohem Alter Kinder auf natürliche Weise in die Welt setzen – falls wir das dann überhaupt noch wollen…

Zuvor gilt es allerdings noch, ein paar Probleme zu bewältigen. Nicht nur, dass das Enzym auch für das Wachstum der Krebszellen verantwortlich ist. Die Forscher arbeiten bereits fieberhaft daran, dieses Dilemma zu lösen, und es ist ihnen durchaus zuzutrauen, dass ihnen dies auch gelingt. Weitaus schwieriger dürfte es sein, die Folgen der steigenden Lebenserwartung in den Griff zu bekommen. Denn auch ohne das Wundermittel Telomerase ist der Erdball bereits hoffnungslos überfüllt. Der Wunsch nach Unsterblichkeit würde die Kluft zwischen Arm und Reich noch mehr verstärken, da ihn sich nur zahlungskräftige Zeitgenossen erfüllen könnten. Und diese haben schon jetzt eine höhere Lebenserwartung als arme Menschen.

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Der Mythos von der heilen Großfamilie

„Früher ging es den Alten viel besser“ – das jedenfalls behaupten vor allem ältere Menschen gern, wenn sie sich mit ihren nachlassenden Kräften oder gar mit Pflegebedürftigkeit auseinandersetzen müssen. Ihre Vorstellungskraft gaukelt ihnen idyllische Bilder vor, in denen alte Menschen im trauten Familienkreis gepflegt und nicht „abgeschoben“ wurden, wie die unfreiwillige Unterbringung im Heim von den Betroffenen gern bezeichnet wird. Damals – so glauben viele – war auch der betagte Mensch nicht einsam und isoliert. Er wurde geachtet und gehörte selbstverständlich dazu.

Großfamilie © blantiag, fotolia.com
Großfamilie früherer Zeit © blantiag, fotolia.com

Doch das romantische Ideal bekommt Risse, sobald man die Bilder bei Licht betrachtet. Um das Jahr 1900 hatte eine Familie durchschnittlich vier Kinder. Die meisten Männer und Frauen erreichten nicht einmal das fünfzigste Lebensjahr! Die Wahrscheinlichkeit, als Pflegefall über einen längeren Zeitraum auf andere angewiesen zu sein, war denkbar gering.

Schwierige Lebensverhältnisse

Und auch die viel gepriesene Gemeinschaft in der Großfamilie entpuppt sich bei genauerer Betrachtung als Illusion. Immerhin lebte die Durchschnittsfamilie um die Jahrhundertwende mit mindestens fünf Personen in ziemlich beengten Wohnungen. So etwas wie eine Privatsphäre gab es so gut wie gar nicht. Die einzelnen Familienmitglieder waren je nach Geschlecht und Generation einer strengen Ordnung von verteilten Rollen und rigiden gesellschaftlichen Normen unterworfen.

Das Zusammenleben gestaltete sich keineswegs so unkompliziert wie vielfach angenommen. Man erinnere sich an das Aushandeln des „Austrags“, wie der „Altenteil“ auf Bauernhöfen genannt wurde. Die Absicherung der elterlichen Lebensgrundlagen wurde bis zur letzten Mohrrübe ausgehandelt. Alte Menschen waren den eigenen Kindern nicht selten auf Gedeih und Verderb ausgeliefert. Geachtet und respektiert wurden sie nur, solange sie noch zu etwas nützlich waren, d.h. solange sie noch in irgendeiner Form zum Lebensalltag beitragen konnten. Trotzdem hält sich der Mythos von der guten alten Großfamilie hartnäckig. In vielen Fällen erschwert er eine realistische Einschätzung der eigenen Situation und verhindert eine offene Auseinandersetzung innerhalb der Familie.

Familie auf Distanz

Die gesellschaftlichen Strukturen haben sich verändert – aber nicht unbedingt zum Negativen. In vielerlei Hinsicht haben sie sich sogar deutlich verbessert. Frauen und Männer dürfen heute mit einer höheren Lebenserwartung rechnen. Ältere Menschen können lange selbstständig und unabhängig bleiben. Dass dies in den meisten Fällen gelingt, verdanken wir den Sozialversicherungen, auch wenn das System allmählich an seine Grenzen stößt.

Die hohe Lebenserwartung ist ein Grund dafür, dass die Zahl der Familien mit drei und mehr Generationen gestiegen ist. Doch die meisten leben nicht mehr unter einem Dach, sondern pflegen ihre Familienbande lieber auf Distanz.

Oft entstehen dadurch viel intensivere Beziehungen als im räumlichen Zusammenleben. Die Haushalte, in denen tatsächlich noch „Urahne, Großmutter, Mutter und Kind in dumpfer Stube beisammen sind“ – wie es in einem Gedicht von Gustav Schwab heißt – nehmen kontinuierlich ab. Jüngsten Statistiken zufolge machen sie in Deutschland nur noch etwa 29 % aus. Gleichzeitig steigt die Zahl der „Seniorenhaushalte“ in Deutschland stetig an. Gemeint sind Haushalte, in denen nur Personen der Generation 65+ leben. Interessant ist, dass Frauen im Alter weitaus häufiger allein leben als Männer.

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