Wohnraumgestaltung bei Demenz

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So gestalten Sie den Wohnraum für Menschen mit Demenz

Mit fortschreitender Demenz verändert sich die Wahrnehmung. Nicht nur die bekannte Vergesslichkeit geht mit der Krankheit einher. Auch körperliche Einschränkungen und emotionale Reaktionen treten mehr in den Vordergrund. Diese Veränderungen sollten bei der Gestaltung des Wohnraumes berücksichtigt werden. Denn wenn ein dementiell Erkrankter von den Angehörigen schleichend immer unsicherer und ängstlicher wird, kann das zuhause zu problematischen Situationen führen. Sie können Ihren Angehörigen aber mit einer demenzgerechten Wohnraumgestaltung dabei unterstützen, sich so lange wie möglich selbstständig in den eigenen vier Wänden zurechtzufinden.

Tipp: Lassen Sie sich beraten

Speziell zu Beginn einer Demenzerkrankung kann das gutgemeinte Eingreifen von Angehörigen in die Wohnraumgestaltung zu Auseinandersetzungen führen, wenn Ihr Angehöriger sich bevormundet fühlt. Sofern es zu unlösbaren Konflikten kommt, lassen Sie sich beispielsweise bei einem Pflegestützpunkt beraten, wie solche Konflikte beigelegt und für Ihren Angehörigen trotzdem ein sicheres Umfeld geschaffen werden kann. Manchmal ist es nötig, dass Sie sich durchsetzen, manchmal aber auch nicht. Oft ist der Blick eines Außenstehenden noch klarer als der eines besorgten Angehörigen. Scheuen Sie sich deshalb nicht, in solchen Fragen professionellen Rat einzuholen.

Orientierung erleichtern

Bei Demenz leidet der Orientierungssinn. Das kann zu großer Verunsicherung führen. Stellen Sie sich vor, Sie finden sich plötzlich im einst vertrauten Zuhause nicht mehr zurecht – das kann Angst machen. Womöglich findet er den Weg zur Toilette nicht mehr? Vielleicht überfordern zu viele verschiedene Schubladen – Wichtiges wird nicht mehr gefunden, verzweifeltes Suchen ist die Folge. Anstatt nun zu viel zu reden, sollte die Orientierung erleichtert werden. Das kann durch optische Hervorhebungen geschehen oder bei Bedarf durch drastisches Reduzieren der Wahlmöglichkeiten und Reize innerhalb des Wohnraums. Das schafft bessere Übersichtlichkeit und verhindert unnötige Verwirrung.

Schuhanprobe © Lightfield Studios, stock.adobe.com
Sind das meine Schuhe? Wer an Demenz erkrankt, der ist bisweilen ob der einfachsten Dinge schnell verwirrt. Deshalb ist es wichtig, die Anzahl der Gegenstände im Haushalt zu reduzieren. © Lightfield Studios, stock.adobe.com

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Tipps für bessere Orientierung im Wohnraum

  • Markieren Sie wichtige Wege und Türen: Klare Symbole und deutlich sichtbare Hervorhebungen helfen dabei, den richtigen Weg, die richtige Tür oder die richtige Schublade zu finden. Denken Sie daran: Bilder verstehen dementiell Erkrankte in der Regel besser als Schrift. Schreiben also nicht „Tassen“ auf einen Zettel für den Küchenschrank, sondern zeigen Sie die Tasse auf einem Bild. Wählen Sie bestenfalls große Aufkleber mit jeweils passenden Symbolen. Einfache Post-it-Zettel oder lose Blätter, die mit Tesafilm angebracht werden, sind schnell abgefallen oder Ihr Angehöriger entfernt diese wieder, weil er vergessen hat, warum dieser Zettel dort hängt und er sich optisch gestört fühlt.
  • Reduzieren Sie die Anzahl der Möbel: Es geht darum, dass Ihr Angehöriger sich zurechtfindet und dass alles da ist, was er braucht. Dabei sollten Sie zunächst behutsam herausfinden, welche Möbelstücke neben Tisch, Bett und Stuhl emotional für Ihren Angehörigen bedeutsam sind. Möglicherweise hat eine bestimmte Kommode oder ein alter Sessel einen für Sie nicht nachvollziehbaren Wert für Ihren Angehörigen und dient ihm eventuell auch zur Orientierung innerhalb der Wohnung. Allerdings sollten wirklich nur in Ausnahmefällen solche Stücke bleiben. Vorrang hat die Übersichtlichkeit.
  • Reduzieren Sie die Anzahl der Kleidungsstücke: Wenn zu viele Kleidungsstücke verfügbar sind, wird Ihr Angehöriger unter Umständen durcheinanderkommen. Allein die schiere Menge an Wahlmöglichkeiten kann einen dementiell Erkrankten vor ein unlösbares Problem stellen. Vor allem, wenn sowohl Winter- wie auch Sommerkleidung in demselben Schrank parat liegt. Sortieren Sie aus und legen Sie nur Kleidung griffbereit in den Schrank, die zur Jahreszeit passt. Andernfalls verunsichert die Auswahl sehr und Ihr Angehöriger wählt möglicherweise im Hochsommer einen Winterpullover oder bei Schnee und Eis eine leichte Bluse. Auch Schuhe sollten nach Jahreszeit und Bedarf zur Verfügung stehen, räumen Sie beispielsweise Sandalen im Winter weg. Hilfreich kann auch ein Kalender mit einem eindeutigen Bild der aktuellen Jahreszeit in der Nähe des Kleiderschrankes sein – zum Beispiel Bäume mit buntem Laub im Herbst.
  • Reduzieren Sie Krimskrams: Vermutlich wissen Sie, was mit Krimskrams gemeint ist: Die Porzellansammeltasse auf der Anrichte, das nutzlose Mitbringsel von Tante Frieda von der letzten Italienreise auf dem Fenstersims, die seit Jahren gesammelten Brillen, deren Sehstärke womöglich überhaupt nicht mehr aktuell ist, die Kugelschreibersammlung in der Küchenschublade oder die acht Handtaschen, die seit geraumer Zeit überhaupt nicht mehr benutzt werden. All solche DInge können Verwirrung stiften und vor allem emotional schwierige Situationen begünstigen. Denn wenn Ihr Angehöriger nicht mehr weiß, dass diese Dinge ihm gehören, woher sie die Sachen haben, wo sie hingehören und was sie damit anfangen sollen, dann verursacht dieser Umstand Stress und Aufregung.
  • Halten Sie Türen bei Bedarf dauerhaft geöffnet: Offene Türen können die Orientierung erleichtern. Aber Achtung: Es könnte auch sein, dass dauerhaft geöffnete Türen entweder für unangenehmen Durchzug sorgen oder Ihren Angehörigen erstrecht verunsichern. Wenn er später verzweifelt versucht, eine geöffnete Tür zu schließen, die Sie aber beispielsweise mit einem Keil fixiert haben, kann das nach hinten losgehen. Überprüfen Sie deshalb vorher genau, ob eine dauerhaft geöffnete oder gar ausgehängte Tür auch wirklich für Ihren Angehörigen akzeptabel und hilfreich ist.
  • Platzieren Sie das Telefon an einer günstigen Stelle: Damit Ihr Angehöriger sich sicher fühlt, sollte das Telefon stets an einem festen Platz auffindbar sein. Das geht nur, wenn der Hörer nicht permanent an einer anderen Stelle in der Wohnung liegengelassen wird. Ideal ist deshalb ein stationäres Telefon mit großen Tasten, einem mit dem Telefon fest verbundenen Hörer und einer bequemen Sitzgelegenheit.
Seniorin und Tochter © highwaystarz, stock.adobe.com
Bleiben Sie stets geduldig und freundlich. Es ist nicht hilfreich, vom Betroffenen zu verlangen, sich mehr anzustrengen. Das bewirkt eher das Gegenteil. © highwaystarz, stock.adobe.com
Bedenken Sie: Weil im Gehirn von dementiell Erkrankten messbare Veränderungen stattfinden, bringt es auch nichts, bestimmte Dinge immer und immer wieder zu erklären – und dabei womöglich noch die Stimme zu erheben. Aus Überforderung verfallen manche gegenüber ihrem vergesslichen Angehörigen in einen unangemessenen Tonfall, verwechseln die Einschränkung durch Demenz gar mit Schwerhörigkeit. Oder es fallen Sätze wie „Jetzt streng dich doch einmal an!“ Es ist nicht hilfreich, ununterbrochen auf jemanden einzureden, der ohnehin schon höchst verunsichert ist. Besser ist es dagegen, dem Erkrankten mit liebevoller Zuwendung zu begegnen, ihm aufmerksam zuzuhören und herauszufinden, welche Schwierigkeiten er hat.

Gefahren minimieren

Bei aller Übersichtlichkeit bleibt trotzdem die Gefahr, dass Ihr Angehöriger sich zuhause verletzt oder stürzt. Das liegt daran, dass durch die Demenz Gefahren nicht mehr realistisch eingeschätzt werden können. Auch, wenn Ihr Angehöriger versichert, er wisse genau, wie weit er gehen kann: Verlassen Sie sich besser nicht darauf. Machen Sie sich schlau über Stolperfallen, gefährliche Gegenstände und Vorkehrungen für das Badezimmer, wo es oft feucht und rutschig ist. Grundsätzlich gilt: Sturzprophylaxe ist ungeheuer wichtig. Das gilt für körperlich wie auch psychisch eingeschränkte Personen gleichermaßen. Bei psychisch, also auch dementiell veränderten Personen kommen allerdings noch andere Gefahren hinzu: Die unsachgemäße Handhabung von bestimmten Gegenständen oder technischen Geräten.

Bügeleisen aus? Gefahren bei Demenz erkennen © RAM, stock.adobe.com
Zettelwirtschaft ist auf Dauer nicht besonders gut geeignet, um dementiell Erkrankten das Leben zu erleichtern. Langfristig braucht es bessere Lösungen. © RAM, stock.adobe.com

So beugen Sie Stürzen vor

  • Räumen Sie Stolperfallen aus dem Weg: Alles, was auf dem Boden liegt, kann übersehen werden. Herumliegende Gegenstände, Telefonkabel oder Teppiche sind Stolperfallen, die problemlos beseitigt werden können.
  • Sorgen Sie für gute Beleuchtung: In zu dunklen Räumen ist die Sicht beeinträchtigt. Gute Beleuchtung schafft zudem auch emotional mehr Sicherheit.
  • Bringen Sie Haltegriffe an: Speziell im Bad, wo es oft rutschig ist, sind Haltegriffe sehr hilfreich. Neben dem Waschbecken und an der Toilette können diese Griffe in der Regel gut montiert werden.
  • Achten Sie auf Türschwellen: Schon kleine Erhebungen zwischen zwei Räumen können Schwierigkeiten bereiten. Markieren Sie die Schwelle nötigenfalls mit einem Klebeband in einer auffälligen Farbe oder versuchen Sie, diese zu beseitigen.
  • Richtiges Schuhwerk: Sorgen Sie dafür, dass Ihr Angehöriger passendes Schuhwerk zur Verfügung hat. Schlechtsitzende Schuhe oder gar Schuhe mit zu hohen Absätzen sollten gar nicht erst in Reichweite sein.
  • Sichern Sie Treppen und Balkone: Wenn Ihr Angehöriger mit fortschreitender Demenz vergisst, dass er nicht gut Treppen steigen kann, macht er sich möglicherweise auf den Weg ins Treppenhaus, anstatt den Fahrstuhl zu benutzen. Stellen Sie sicher, dass für einen solchen Fall das Geländer stabil genug ist, und weisen Sie eventuell einen Nachbarn auf die Gefahr hin. So kann dieser, sollte er eine entsprechende Situation beobachten, Ihren Angehörigen von der Nutzung der Treppe abhalten.
  • Räumen Sie Hocker und Trittleitern weg: Alle Gegenstände des täglichen Lebens sollten ohne Hocker oder Trittleiter erreichbar sein. Deshalb können Sie auch getrost solche Dinge aus dem Wohnraum verbannen, die zu einem Sturz führen könnten. Denn auch, wenn die oberen Schrankfächer leergeräumt sind, könnte Ihr Angehöriger vermuten, dort etwas zu finden, das er sucht. Geben Sie ihm deshalb gar nicht erst die Gelegenheit, auf eine Leiter zu steigen und womöglich zu stürzen.
Am Rande bemerkt Wenn Sie ohnehin schon am Umräumen sind: Es muss nicht sein, dass das Filetiermesser und der schwere Hammer in der Küche aufbewahrt werden. Auch giftige Putzmittel gehören nicht mehr in die Küche. Denn eine Flasche mit unbekanntem Inhalt könnte Ihren Angehörigen dazu verführen, aus dieser zu trinken. Das Abdecken von Steckdosen und die Installation von Rauchmeldern ist ebenfalls sehr wichtig, wie auch eine Sicherung für den Herd in der Küche.

Die richtigen Farben im Wohnraum

Bei allem Aktionismus bezüglich der Umgestaltung des Wohnraumes: Ihr Angehöriger soll sich allem voran zuhause wohlfühlen. Unterstützen können Sie dies, indem Sie auch die Farbgebung im Wohnraum berücksichtigen. Denn an Demenz Erkrankte reagieren mitunter besonders sensibel auf bestimmte Farbtöne und unaufgeregte Oberflächen. Das bedeutet, dass beispielsweise zu große Bilder mit grellen Farben, gemusterte Tapeten und vielfarbige Teppiche zu Verunsicherung führen können. Auch Bodenbeläge, in denen sich Licht spiegelt, kann auf dementiell veränderte Menschen irritierend wirken und Ängste verursachen.

Wenn Sie optimale Bedingungen schaffen wollen, orientieren Sie sich an folgenden Tipps:

  • helle Farben an den Wänden geben dem Raum eine freundliche Atmosphäre
  • warmes, helles Licht löst angenehmere Gefühle aus als kaltes grelles Licht
  • Bodenbeläge sollten nicht in jedem Raum anders sein, da das zu irritiertem Stehenbleiben führen kann
  • Läufer sollten nicht zu dunkel sein, weil sie als Pfütze oder Loch im Boden fehlgedeutet werden könnten
  • Sehr knallige Farben können ebenfalls zu Angst führen. Pastellfarbene Beläge und Teppiche sind deshalb die bessere Wahl, zumal sich wichtige Markieruhghngen dort auch besser abheben und genug Kontraste bilden

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