Alltags-Tipps und Kurse für pflegende Angehörige

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Tipps für Pflegende Angehörige

Zunehmende Immobilität und nachlassende Selbstständigkeit von Pflegebedürftigen kann Angehörige im Alltag verunsichern, speziell zu Beginn der Pflegebedürftigkeit. Oft sind es Kleinigkeiten, die schleichend zu offenkundigen Problemen führen. Manchmal sind auch vorübergehende Bettlägerigkeit oder grundsätzliche Einschränkungen der Beweglichkeit oder nachlassende Kraft die Gründe für körperliche Folgen bei den Pflegebedürftigen; zum Beispiel Druckgeschwüre oder Hautirritationen. Wer als pflegender Angehöriger noch wenig Erfahrung hat, kann aber schon durch einige hilfreiche Hinweise solchen Alltags-Problemen besser begegnen. Oft stellt sich eine gewisse Routine im Umgang mit der Pflegesituation nämlich erst nach einiger Zeit ein.

Hilfe im Haushalt © pikselstock, stock.adobe.com
Wer gut informiert in die Pflege von Angehörigen startet, tut sich leichter © pikselstock, stock.adobe.com

Einschränkungen sind sehr individuell

Sobald Sie einem Angehörigen regelmäßig bei der Bewältigung des Alltags helfen, sind Sie ihm näher denn je. Deshalb bemerken auch meistens Sie zuerst, wenn etwas nicht mehr funktioniert wie bisher. Sofern bereits ein Pflegedienst involviert ist, können dessen Mitarbeiter in der Regel die besten Hinweise geben, wie Sie mit neu auftretenden Problemen umgehen können. Manchmal sind Sie aber auch auf sich allein gestellt und unter Umständen auch verunsichert: Welche Veränderungen sind normal, wie vehement sollten Sie ihrem Angehörigen gegenüber auf nötige Veränderungen bestehen? Ist Ihre persönliche Einschätzung richtig?

Im Folgenden finden Sie einige Beispiele aus der pflegerischen Praxis, wie sie relativ häufig in häuslichen Pflegesituationen vorkommen. Ganz grundsätzlich gilt: Jede Situation in jedem Haushalt ist individuell und es ist immer gut, bei Unsicherheiten jemanden vom Fach zu fragen. Doch zunächst sollten Sie kurz darüber nachdenken, wo bestimmte Probleme überhaupt ihren Ursprung haben. Denn: Nicht immer ist das direkt offensichtlich.

Nützliche Kurse: Erste Hilfe, Kinästhetik und Validation

Damit Sie möglichst gut vorbereitet in die Pflege eines Angehörigen starten, sollten Sie sich frühzeitig um einen entsprechenden Pflegekurs bemühen. Solche Kurse werden in der Regel von der Kasse übernommen und geben Ihnen als pflegendem Angehörigen Grundlagenwissen an die Hand, das Ihnen den Alltag sehr erleichtern kann. Inhalte sind beispielsweise

  • Körperpflege
  • Ernährung
  • Rückenschonende Körperhaltung
  • Umgang mit dementiell Veränderten Personen
  • Tipps zur besseren Kommunikation
  • Lagerungstechniken
  • Sturzprophylaxe

Allein ein solcher allgemeiner Kurs für pflegende Angehörige bietet bereits ein gutes Fundament. Weil aber die Bedürfnisse dennoch sehr individuell sind, können gezieltere Kurse ebenfalls sehr nützlich sein. In jedem Fall fühlen sich Angehörige sicherer, wenn sie ihre Kenntnisse in Erster Hilfe noch einmal auffrischen. Außerdem gibt es neben den allgemeinen Pflegekursen auch Angebote, die sich ganz gezielt mit Kinästhetik oder Validation beschäftigen. Kinästhetik – also die Lehre von der Bewegungsempfindung – ist speziell bei sehr immobilen Pflegebedürftigen nützlich. Denn je mehr Sie als pflegender Angehöriger um die Details des Bewegungsapparats wissen, desto leichter fällt es Ihnen, einen Angehörigen im Alltag zu unterstützen, Stürze zu vermeiden und dabei den eigenen Körper zu schonen.

Möglicherweise ist aber gar nicht dieser körperliche Aspekt das Hauptproblem in Ihrer individuellen Situation. Vielleicht fordert eine fortschreitende Demenz sehr viel dringlicher noch mehr Wissen um den richtigen Umgang mit dem veränderten Verhalten. Es kann dadurch passieren, dass der Pflegebedürftige sich beispielsweise nicht mehr waschen oder anfassen lassen möchte. In diesem Fall gibt es Kurse, die sich ganz gezielt mit Validation beschäftigen – einer Kommunikationsmethode, die speziell für den Umgang mit dementiell veränderten Personen entwickelt wurde. Dabei geht es darum, den Pflegebedürftigen in seiner Wahrnehmung zu respektieren und gedanklich abzuholen, ohne ihn noch mehr zu verunsichern.

Senioren achten aufeinander © LIGHTFIELD STUDIOS, stock.adobe.com
Verständnisvoll und deeskalierend auf dementiell veränderte Angehörige zu reagieren können Sie lernen © LIGHTFIELD STUDIOS, stock.adobe.com

Aus dem Pflegealltag: Kleine Tipps mit großer Wirkung

So individuell die jeweilige Pflegesituation zuhause auch ist, so ähnlich sind dennoch manche Fragen, die immer wieder an Mitarbeiter von Pflegediensten herangetragen werden. Oft helfen schon kleine Tipps, um das Problem aus der Welt zu schaffen. Einige Beispiele:

Der Pflegebedürftige trinkt zu wenig

Mit zunehmendem Alter nimmt das Durstgefühl ab. Häufig sind Angehörige deswegen besorgt. Denn Argumente und Druck bringen oft nicht viel, um den Pflegebedürftigen zum Trinken zu bewegen. Auch wissen Angehörige nicht immer, ab wann Sorge wirklich angebracht ist und welche Anzeichen auf Dehydration hindeuten.

  • Zunächst sollten Sie herausfinden, ob tatsächlich das verminderte Durstgefühl der Auslöser ist. Sollte das der Fall sein, dann bieten Sie nicht nur Wasser an, sondern das Lieblingsgetränk des Pflegebedürftigen.
  • Liegt es vielleicht an körperlichen Einschränkungen, die der Pflegebedürftige schlicht noch nicht kommuniziert hat? Schluckbeschwerden können beispielsweise ein Grund sein. Möglicherweise ist das Trinken aus einem normalen Glas nicht mehr möglich. Abhilfe können ein Schnabelbecher oder eine spezielle Trinkflasche schaffen.
  • Steht die bereitgestellte Wasserflasche am Abend noch immer unangetastet neben dem Bett? Haben Sie einmal darüber nachgedacht, dass der Pflegebedürftige diese schlicht nicht mehr allein öffnen kann?

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Gerötete Stellen in den Hautfalten

Sobald Sie Ihren Angehörigen auch bei der Körperpflege unterstützen, sollten Sie auch auf Veränderungen der Haut achten. Wichtig ist stets, gerade in diesen Hautfalten sehr gut abzutrocknen. Sonst kann sich schnell eine Intertrigo entwickeln, also ein Wundsein. Diese Hautrötung ist schmerzhaft und wird von den Pflegebedürftigen selbst oder deren Angehörigen häufig falsch behandelt. Ausgehend davon, dass eine Intertrigo mit einem wunden Babypopo vergleichbar ist, greifen viele auf Cremes zurück, um die Schmerzen zu lindern und das Wundsein zu bekämpfen.

Aber: Das ist grundlegend falsch! Denn: Die in den Hautfalten aufgestaute Feuchtigkeit kann durch das Auftragen einer womöglich auch noch fetthaltigen Creme noch schlechter entweichen. Die Entzündung verschlimmert sich dadurch nur noch mehr. Richtig ist, die Stelle möglichst trocken zu halten. Waschen Sie in den Hautfalten ausschließlich mit klarem Wasser, trocknen Sie gut ab und legen Sie bei wunden Stellen eine sterile Kompresse in die Hautfalte. So kann die Intertrigo rasch abheilen.

Gerötete Stellen an Schultern, Gesäß, Armen oder Fersen

Anders als eine Intertrigo ist gerötete Haut an Körperstellen, die lange durch Liegen oder Sitzen belastet werden, ein echtes Warnsignal. Denn: Durch den Druck, der bei immobilen Pflegebedürftigen auf diesen Stellen lastet, wird die Durchblutung behindert und es kann sich ein Druckgeschwür, also ein Dekubitus entwickeln. Dekubiti heilen oft nur sehr langsam oder in schlimmen Fällen überhaupt nicht mehr. Eigentlich sollte deshalb von vornherein der Lagerung stets größte Aufmerksamkeit geschenkt werden, damit gar nicht erst Rötungen an den exponierten Körperstellen entstehen. Passiert das dennoch, sollten Sie möglichst schnell für Abhilfe sorgen und den Pflegebedürftigen regelmäßig umlagern. Scheuen Sie sich nicht, professionelle Hilfe zu suchen, wenn Sie sich in Bezug auf richtiges Lagern unsicher sind. Es ist sehr wichtig, rechtzeitig zu reagieren, sobald Druckstellen erkennbar sind.

Es wird geholfen beim Waschen und der tägliche Hygiene © leno2010, stock.adobe.com
Wenn Sie Ihrem Angehörigen bei der Körperhygiene helfen, können die richtigen Hilfsmittel viel erleichtern © leno2010, stock.adobe.com

Körperhygiene bei immobilen Pflegebedürftigen

Wenn der Pflegebedürftige bettlägerig ist, fragen sich Angehörige oft, wie die Körperpflege funktionieren soll. Speziell beim Thema Haare waschen sind viele verunsichert. Zunächst einmal ist es wichtig, dass Sie Folgendes akzeptieren: Das Sauberkeitsempfinden ist individuell. Während der eine bereits bei einem kleinen Fleck auf dem Bettlaken in einer großen Aktion sofort alles Zugehörige frisch bezieht, liegt der andere auch noch dann zufrieden in seinem Bett, wenn andere bereits die Nase rümpfen würden. Beides ist nicht ideal. Denn unnötiger Aufwand und Aufregung wegen eines Flecks auf dem Laken ist genauso störend, wie ein offensichtlich stark verschmutztes oder feuchtes Bett.

Wenn es nun um die Körperhygiene in eben diesem Bett geht, tun pflegende Angehörige sich manchmal sehr schwer. Dabei können die passenden Hilfsmittel nahezu jede Körperpflege im Bett ermöglichen, die nötig ist. Sogar das Haarewaschen. Eine Beratung in einem Sanitätshaus ist lohnend. Denn ehe Sie beim Haarewaschen anfangen, mit Salatschüsseln und Plastiktüten zu hantieren, sollten Sie um nützliche Dinge wie aufblasbare Haarwaschwannen oder passende Unterlagen wissen. So können Sie auch verhindern, dass SIe nach jeder Körperpflege das Gefühl haben, das ganze Bett neu beziehen zu müssen.

Pflegende misst den Blutdruck © Cherries, stock.adobe.com
Blutdruckmessen kann in bestimmten Situationen und gewissen Grunderkrankungen sinnvoll sein. Aber übertreiben Sie es nicht. © Cherries, stock.adobe.com

Der liebe Blutdruck

Sowohl hoher wie auch niedriger Blutdruck spielen in Pflegesituationen oft eine Rolle. Wenn Sie als pflegender Angehöriger bestimmte Situationen richtig einschätzen wollen, sollten Sie um die Anzeichen von zu hohem und zu niedrigem Blutdruck wissen. Sofern Sie sich diesbezüglich unsicher fühlen, lassen Sie sich vom behandelnden Arzt erklären, inwieweit in Ihrem individuellen Fall der Blutdruck eine Rolle spielen kann. Denn: Zu niedriger Blutdruck kann Schwindelgefühle verursachen, die wiederum zu Stürzen oder zu Ohnmacht führen. In diesem Fall ist es wichtig, den Blutdruck zu messen und auch beurteilen zu können. Denn: Bei niedrigem Blutdruck ist eine Schocklagerung (Oberkörper flach, Beine hoch) sinnvoll. Sofern aber nicht niedriger Blutdruck für die Ohnmacht verantwortlich ist, kann diese Lagerung auch grundlegend falsch sein. Machen Sie sich deshalb schlau, damit Sie im Notfall das Richtige tun.

Aber: Lassen Sie sich nicht dazu hinreißen, Ihrem Angehörigen ohne Not ununterbrochen mit dem Blutdruckmessgerät hinterher zu laufen. Das ist nicht nötig und kann sowohl Sie als Pflegenden sowie Ihren Angehörigen zusätzlich verunsichern und aufregen. Je nachdem, ob eine Grunderkrankung vorliegt, wird der behandelnde Arzt Ihnen sagen, wann und wie oft es nötig ist, den Blutdruck zu messen.

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