Quartierskonzepte

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Vorreiter der Quartierskonzepte ist das Bielefelder Modell, das bereits in den 1990er Jahren auf selbstbestimmtes Wohnen mit Versorgungssicherheit setzte. Das richtungsweisende Konzept sorgte bundesweit für Aufsehen. Damals hatte die Bielefelder Gemeinnützige Wohnungsgesellschaft (BGW) mit massivem Leerstand zu kämpfen. Daher kam sie auf den Gedanken, älteren und pflegebedürftigen Menschen möglichst lange selbstbestimmtes Wohnen in ihrem gewohnten Umfeld zu ermöglichen. Das Besondere daran war die Sicherheit, sich gut versorgt zu wissen, ohne dafür eine Betreuungspauschale entrichten zu müssen. Dieser Ansatz war damals völlig neu.

glückliches Paar in der eigenen Küche © nyul, fotolia.com
glückliches Paar Zuhause © nyul, fotolia.com

In fast allen Bielefelder Stadtteilen sind die BGW-Wohnungen inzwischen barrierefrei. Ein Café dient als Treffpunkt für soziale Kontakte. Innerhalb der Quartiere wird eine 24-Stunden-Versorgung durch ambulante Dienste garantiert. Ein weiterer Dienstleister sorgt mit einem umfangreichen Leistungskatalog ebenfalls rund um die Uhr für weitere Hilfs- und Betreuungsangebote. Bezahlt werden diese aber nur, wenn sie wirklich benötigt werden.

Wachsende Beliebtheit

Auch die Quartierskonzepte sind eine noch relativ junge Idee, die sich wachsender Beliebtheit erfreuen. Dabei geht es darum, Dörfer, Gemeinden oder Stadtviertel so zu gestalten, dass alle Altersgruppen und ihre Bedürfnisse berücksichtigt werden. Oberstes Ziel dieser Konzepte ist es, dass auch ältere und sogar pflegebedürftige Menschen in ihrer gewohnten Umgebung bleiben können. Genau genommen vereint das Quartierskonzept Nachbarschaftshilfe, generationenübergreifendes Wohnen und Betreutes Wohnen.

Trotzdem geht es um viel mehr als um Versorgungssicherheit ohne Betreuungspauschale innerhalb eines Quartiers. Idealerweise sollte ein Quartier nicht mehr als ca. 25.000 Menschen umfassen. Um ein Quartierskonzept auf tragfähige Füße zu stellen, braucht man:

1. Barrierefreien Wohnraum

Dazu sind nicht immer Neubaumaßnahmen notwendig. Häufig reicht es schon, Bestandswohnungen gezielt anzupassen.

2. Eine solide Infrastruktur

Sie ermöglicht, dass Menschen sich selbst länger versorgen und am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können. Der Aufbau und die Pflege sozialer Kontakte, zum Beispiel mit anderen BewohnerInnen des Quartiers, muss so unkompliziert wie möglich sein. Eine gute Infrastruktur sorgt deshalb dafür,

  • dass die Geschäfte für den täglichen Bedarf fußläufig zu erreichen sind
  • dass eine gute Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr besteht
  • dass attraktive Gemeinschaftsräume und Treffpunkte für zwangloses Miteinander sorgen

3. Hilfe und Pflege

Innerhalb des Quartiers oder des Dorfes müssen Dienstleister zur Verfügung stehen, die alle möglichen Belange älterer Menschen im Blick haben und zeitnah darauf reagieren können. Dazu gehören zum Beispiel:

  • Hilfsangebote für den Alltag
  • Häusliche Betreuungs- und Versorgungsangebote
  • Ambulante Dienste
  • Bereitstellung einer Rund-um-die-Uhr-Pflegekraft

Auch Rehabilitationsangebote und Hospizarbeit gehören idealerweise zum Versorgungsnetz eines Quartiers.

4. Stärkung von Eigeninitiative und Solidarität

Niemand lebt für sich allein. Nur wenn alle Beteiligten sich engagieren, kann Gemeinschaft gelingen. Deswegen sind Quartierskonzepte auf bürgerschaftliches Engagement angewiesen. Es gilt, eine neue Kultur des Miteinanders und des Helfens zu schaffen, z.B. durch:

  • Nachbarschaftshilfe: Sie kann professionelle Dienstleistungsangebote ergänzen
  • Veränderte Einstellung: Sich nicht „bedienen“ lassen, sondern selbst kreativ werden und kulturelle, sportliche oder gesellschaftliche Veranstaltungen organisieren
  • Mitgestalten: Politische Prozesse unterstützen, die das gemeinschaftliche Wohnen im Quartier fördern
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Träger

Die Initiatioren der Quartierskonzepte sind Wohnungs- und Wohlfahrtsunternehmen, Bürgerschaftsinitiativen oder Kommunen. Beispielhaft sind die Modelle „Wohnen im Viertel“ in München. www.asb-muenchen.de oder www.gewofag.de.

Auch Im ländlichen Bereich setzen sich Quartierskonzepte immer mehr durch, zumal von den angebotenen Dienstleistungen das gesamte Dorf profitiert. Der Caritasverband der Erzdiözese Bamberg e.V. realisierte in mehreren kleinen Gemeinden Quartierskonzepte. www.in-der-heimat.de.

Relativ jung ist der Initiativkreis „Soziale Zukunft Wohnquartier“ in Baden-Württemberg, der in Ulm gegründet wurde und sich aus der Samariterstiftung, der Stiftung Liebenau, dem Württembergischen Evangelischen Fachverband für Altenhilfe und der AG katholischer Heime und Einrichtungen der Altenhilfe in der Diözese Rottenburg-Stuttgart zusammensetzt. Weitere Informationen finden Sie unter www.zeit-fuer-menschen.de/

Auf Bundesebene engagiert sich das Netzwerks „Soziales neu gestalten“ für das Wohnen im Quartier. Hier ist auch die Dokumentation „Lebensräume zum Älterwerden“ abrufbar mit interessanten Hintergrundberichten und Wohnbeispielen:

Auf Youtube können Sie sich einen Einblick in das Quartierskonzept verschaffen:

Beim Verlag der Bertelsmann Stiftung ist eine dreibändige Publikation zum Thema „Zukunft Quartier – Lebensräume zum Älterwerden“ erschienen und kann hier bestellt werden.

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