Gruppenreisen

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Seniorenreisen: Reisen in der Gruppe

Die Babyboomer, also die Generation, die heute zwischen 55 und 65 Jahren alt ist, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit im fortgeschrittenen Alter auf sich allein gestellt sein. Zu diesem Ergebnis kommt das Deutsche Zentrum für Altersfragen. Der Grund für diese Entwicklung liegt schlicht und einfach darin, dass dieser Personenkreis einen anderen Lebensentwurf hatte als vorhergehende Generationen. Viele Babyboomer blieben ledig oder sind geschieden. Außerdem haben es etliche von ihnen vorgezogen, ein Leben ohne Kinder zu führen. Dieses Leben hat für viele lange Zeit gut funktioniert. Im Alter stehen die Betroffenen jedoch vor neuen Herausforderungen. Ein intaktes soziales Netz kann die fehlende Familie im Alter ersetzen. Doch genau das ist leider nicht immer ausreichend vorhanden. Das hat Auswirkungen. Auch auf das Reisen.

Reisen in der Gruppe © goodluz, fotolia.com
Reisen in der Gruppe © goodluz, fotolia.com

Nicht jeder liebt es, allein und auf eigene Faust durch die Weltgeschichte zu reisen. Vor allem Frauen im fortgeschrittenen Alter fühlen sich unsicher oder haben sogar richtig Angst. Gemeinsam reisen macht den meisten einfach mehr Spaß. Natürlich kann man eine Freundin mitnehmen oder einen Freund, doch eine Reise kann auch zu einer Belastungsprobe werden. Vorlieben und Interessen sind nicht immer deckungsgleich und nicht jeder stellt die gleichen Ansprüche an den Komfort. Schnell gibt ein Wort das andere und schon ist die ganze Reise verdorben.

Reisen in der Gruppe hat viele Vorteile

Anders ist es, wenn man in einer Gruppe reist. Dann konzentriert man sich nicht nur auf eine Begleitperson. In der Gruppe kann man sich eher mal zurücknehmen. Man muss nicht ständig präsent und ansprechbar sein. So werden schlechte Stimmungen und stressige Situationen von mehreren Leuten abgefangen.

Wer sich einer „normalen“ Reisegruppe anschließt, muss sich heutzutage nicht mehr zwangsläufig wie das fünfte Rad am Wagen fühlen, weil er oder sie allein unter lauter Paaren ist. Gute Reiseveranstalter achten darauf, dass Alleinreisende nicht mehr am Katzentisch platziert werden und dass auch für sie ansprechende Zimmer bereitgestellt werden. Schließlich wird für Einzelzimmer immer noch ein stattlicher Zuschlag erhoben.

Immer mehr Reiseveranstalter haben inzwischen aber auch Singlereisen in ihrem Angebot. Der Markt boomt. Kein Wunder. Mehr als ein Drittel der bundesweiten Haushalte wird von Singles bewohnt, wie die jüngste Grafik des Statistischen Bundesamtes zeigt:

Singlereisen

Frau reist allein © aletia2011, fotolia.com
Frau reist allein © aletia2011, fotolia.com

Fast 12 Millionen Deutsche verbringen ihren Urlaub allein. Tendenz steigend. Darunter sind ledige, geschiedene, verwitwete, überzeugte Singles mit und ohne Kinder, Studenten und eben auch „Best Ager“. Früher hatten solche Reisen ein gewisses „Geschmäckle“. Doch nicht jeder, der eine Singlereise bucht, ist auf Partnersuche. Die Meisten wollen ganz einfach nur gemeinsam Spaß haben und neue Länder erleben. Einer der größten Reiseveranstalter, Studiosus, bedient unter dem Namen „Me & More“ die Zielgruppe der Alleinreisenden. Erst 2014 hat der Anbieter das beliebte Angebot um „Me & More relax“ erweitert. Diese Kategorie ist ideal für ältere Alleinreisende, die es etwas ruhiger mögen. Die Gruppe bleibt in einem Hotel vor Ort. Ausflüge sind optional. Der Hamburger Reiseanbieter Sunwave hat sich schon vor Jahren auf Singlereisen spezialisiert. Und auch die großen Veranstalter wie TUI und Thomas Cook setzen auf ein abwechslungsreiches Freizeitprogramm. Für jeden Geldbeutel ist etwas dabei. Ein Versuch lohnt sich.

Seniorenreisen

Reisen hält jung © aletia2011, fotolia.com
Seniorenreisen: Reisen hält jung © aletia2011, fotolia.com

Senioren sind eine begehrte Zielgruppe. Längst haben das auch die Reiseveranstalter erkannt. Ältere Menschen sind heutzutage länger gesund und aktiv. Sie haben Zeit und häufig auch genügend Geld, um sich lang gehegte Reisewünsche zu erfüllen. Was lag da näher, als spezielle Seniorenreisen anzubieten? Gesagt, getan. Im Jahr 2000 hatte die Reisebranche diesen Versuch unternommen, doch das Experiment scheiterte kläglich. Die Zielgruppe ignorierte das Angebot. Der Bedarf an „Seniorenreisen“ war durchaus da. Nur die Wortwahl war falsch. Nicht alle möchten sich als Senior oder als Seniorin bezeichnen lassen. Der Begriff hat in Deutschland einen negativen Beigeschmack. Unsicherheit herrscht auch darüber, ab wann man zur Zielgruppe der SeniorInnen gehört. Ab 70 Jahren? Oder schon ab 60?

Keine Lust auf Kaffeefahrten

Sigrun war ihr Leben lang sehr sportlich. Bergtouren, Wanderungen, Mountainbiken – alles kein Problem. Bis vor drei Jahren ihr linkes Knie Probleme machte. Stechende Schmerzen morgens beim Aufstehen und beim Treppensteigen. Anfänglich ignorierte Sigrun die Beschwerden, doch irgendwann wurden sie so stark, dass sie zum Arzt ging. Der zuckte die Achseln. Der Innenmeniskus sei etwas lädiert. Aber das sei normal in ihrem Alter. Eine Operation hielt der Mediziner jedoch nicht für angeraten. Anstrengende Expeditionen über Stock und Stein kann Sigrun nun vergessen. Trotzdem möchte sie im Urlaub etwas erleben, sportlich mäßig aktiv sein, Wellness und Kultur genießen und die Welt entdecken. Sigrun liebt Fernreisen, und die liegen bei Älteren durchaus im Trend. Seniorenreisen – das klingt hingegen nach Kaffeefahrten und darauf haben die „Best Ager“ von heute keine Lust.

So wie Sigrun geht es vielen. Ob Schmerzen in Knie, Hüfte oder Rücken – in reiferen Jahren kann fast jeder ein Lied davon singen. Und wer je eine Studienreise mitgemacht hat, weiß, dass es dabei manchmal ziemlich anstrengend zugehen kann. Reisen – ja. Aber etwas geruhsamer darf es schon sein. Bei manchen stellt sich dieser Wunsch schon mit Ende fünfzig ein, bei anderen erst mit siebzig. Es geht also weniger um die Reiseteilnehmer als um die Reise selbst. Deswegen gibt es kaum noch Veranstalter, die explizit Seniorenreisen anbieten. Studiosus, einer der Marktführer, nennt es „Reisen mit Muße“. Diese Angebote richten sich an Menschen, die es gemütlich möchten und komfortablere Unterkünfte schätzen.

Reisen mit Rundum-Sorglos-Paket

Was aber, wenn die Kräfte so stark nachlassen, dass der ältere Mensch betreut werden muss? Viele Menschen sind ihr Leben lang gern verreist und auch im hohen Alter noch vielseitig interessiert. Aber wenn selbst das Koffer packen zum Problem wird und sie schon im Alltag auf Hilfe und Unterstützung angewiesen sind, bleiben viele SeniorInnen doch lieber zu Hause. Doch das muss nicht sein.

Leider wird der positive Effekt des Reisens immer noch unterschätzt. Schon ein Ortwechsel mit neuen Eindrücken tut Stimmung und Wohlbefinden gut. Auch die geistige Fitness verbessert sich. Viele Anbieter haben sich daher auf die besonderen Ansprüche Hochbetagter eingestellt und bieten betreute Reisen an. Eine Marktlücke, die mehr und mehr Nachahmer findet. Die Nachfrage nach solchen Angeboten wächst. Schon allein deswegen, weil die Menschen immer älter werden. Die Kunden sind in der Regel über 80 Jahre alt. Ehrenamtliche BetreuerInnen kümmern sich von früh bis spät um die Reiseteilnehmer und lesen ihnen jeden Wunsch von den Augen ab. Egal, ob es um das Organisatorische geht, um den Transport von und nach Hause oder um Hilfe beim Duschen, Ankleiden oder Essen. In einigen Fällen wird die Reisegruppe sogar von einem Arzt begleitet.

Seniorencamping

Wenn die Tage länger und wärmer werden, spüren Ursula und Jochen Unruhe in sich aufsteigen. Und irgendwann ist es dann wieder soweit: Jochen holt sein Wohnmobil aus dem Winterquartier und fährt es vor die Haustür. Dann beginnt das Großreinemachen. Anschließend werden kistenweise Lebensmittel eingeräumt. Zu guter Letzt kommt der Motorroller in die eigens dafür vorgesehene kleine „Garage“ des fahrbaren Eigenheims. „Schließlich können wir das Riesengerät nicht täglich durch enge Gassen kutschieren“, erklärt Jochen. „Das Wohnmobil bleibt auf dem Campingplatz und wir fahren mit dem Roller durch die Gegend.“

Ein halbes Jahr sind die beiden unterwegs. Diesmal steht Masuren auf ihrem Programm. Immer aber beginnen sie ihre Tour in der Pfalz. Ein paar Tage bleiben sie auf ihrem Lieblings-Weingut, füllen ihren Weinvorrat auf und treffen sich mit alten Bekannten aus dem Camperclub. Dann werden Erinnerung ausgetauscht. Viele Touren haben sie schon gemeinsam hinter sich gebracht: Mexiko, Kanada, Russland. Ein Spezialanbieter verschifft die Wohnmobile in alle Welt und organisiert komplette Touren. Die Besitzer der Fahrzeuge jetten hinterher, nehmen ihr rollendes Hotel vor Ort in Empfang und machen damit fremde Kontinente unsicher. Ursulas Augen beginnen zu leuchten, wenn sie von ihrer Fahrt über die Levante erzählt. „Wer reist, bleibt länger jung“, behauptet sie. Jetzt ist sie 67, Jochen wird im August siebzig. Ein paar Jahre möchten die beiden schon noch „on the road“ sein, wie Jochen es nennt.

Die beiden sind kein Einzelfall. Viele Rentner tun endlich das, was sie früher – aus welchen Gründen auch immer – nicht tun konnten. Für manche war es der Traum, mit dem Wohnwagen durch die Lande zu ziehen. Die Ansprüche sind im Laufe der Zeit gestiegen und viele können sich statt des Wohnwagens ein komfortables Wohnmobil leisten. Seit einigen Jahren steigt die Zahl der Neuzulassungen in Deutschland. Etwa 25.000 sollen es derzeit sein. Viele davon sind richtig luxuriös ausgestattet.

Graue Nomaden

In der Reisebranche ist von den „grauen Nomaden“ die Rede. Diese Ruheständler frönen einem abenteuerlustigen Camperleben. Manche verkaufen sogar ihre Häuser und reisen im Wohnwagen dem Sommer hinterher. „Manchmal fahren wir 200, manchmal 400 Kilometer am Tag. Und wenn wir einen schönen Campingplatz gefunden haben, bleiben wir, solange es uns gefällt. Manchmal bis zu vier Wochen“, erzählt Jochen.

In manchen Ländern suchen sich die reiselustigen SeniorInnen Arbeit, um die Kasse wieder aufzufüllen. Jochen und Ursula haben in der Pfalz, in Frankreich und in Italien schon bei der Weinlese geholfen. „Hinterher taten uns zwar die Knochen weh, aber es hat Spaß gemacht“, lacht Ursula.

Spaß – das ist es, was die Silver-Camper wollen. Und den finden sie allemal, egal, ob in Deutschland oder im Ausland.

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