Aufsaugende Hilfsmittel bei Inkontinenz

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Aufsaugende Hilfsmittel bei Inkontinenz: Saugstarkes Inkontinenzmaterial & Zubehör

Inkontinenz ist weiter verbreitet als man vermutet. Bereits jetzt beträgt die Quote über 10 Prozent aller in Deutschland lebenden Bürger. Und die Zahl der Betroffenen wird sich mit dem steigenden Durchschnittsalter in Zukunft noch erhöhen. Im Jahr 2050, so schätzt man, können fast 30 Prozent der Menschen die Blasenentleerung nicht mehr gänzlich kontrollieren. Verlässliche Hilfsmittel bei Inkontinenz sind daher ein absolutes Muss.

Die gute Nachricht: Nicht für alle Betroffenen ist die Blasenschwäche ein Problem. Aufgrund unterschiedlicher Schweregrade gibt es aufsaugendes Inkontinenzmaterial in einer großen Bandbreite: Inkontinenzeinlagen, Inkontinenzvorlagen, Inkontinenzwindeln und Inkontinenzhosen. Wir zeigen die Unterschiede auf und sprechen Empfehlungen aus.

Die zweite gute Nachricht: Saugende Inkontinenzprodukte werden bei Vorlage eines ärztlichen Attests von der Krankenkasse übernommen. Diese sogenannten Verbrauchshilfsmittel sind im Hilfsmittelverzeichnis des GKV-Spitzenverbands als Produktuntergruppen 30 bis 32 im Anwendungsort 25 (Harn-/Verdauungsorgane) der Produktgruppe 15 (Inkontinenzhilfen) gelistet. Wie Patienten bei der Beantragung vorgehen, ist in unserem Beitrag Hilfsmittel bei Inkontinenz erläutert. Dort gehen wir auch allgemein auf das Thema ein und stellen weitere Hilfsmittel vor.

Inkontinenzeinlagen und Inkontinenzvorlagen

Einlagen und Vorlagen sind die bekanntesten Hilfsmittel bei Inkontinenz. Sie werden im Slip fixiert, sind weich und hautfreundlich, luftdurchlässig und atmungsaktiv. Das ist wichtig, damit sich auch in wärmerer Umgebung kein Hitzestau zwischen Körper und Kleidung bilden kann. Moderne Inkontinenzeinlagen und Inkontinenzvorlagen sind für die Versorgung bei Harn- und Stuhlinkontinenz geeignet. Die Ausscheidungen werden von einem textilähnlichen Vlies aufgenommen und in den Kern des Inkontinenzhilfsmittels geleitet. Dieser sogenannte Superabsorber verwandelt die Flüssigkeit in ein Gel und neutralisiert darüber hinaus die entstandenen Bakterien. Das hat gleich zwei Vorteile: Die Vorlage oder Einlage fühlt sich auf der Haut trocken an und sie lässt Gerüche gar nicht erst entstehen.

Die Schwere der Inkontinenz bestimmt die Wahl des Hilfsmittels

Inkontinenzeinlagen schützen bei leichter bis mittlerer Inkontinenz. Sie haben zwar eine begrenzte Saugkraft, tragen dafür aber auch kaum auf. Inkontinenzeinlagen werden wie eine Slipeinlage in die Unterwäsche geklebt und sind für aktive Senior*innen, die sich selbst versorgen und viel unternehmen, die richtige Wahl.

Inkontinenzvorlagen schützen bei mittlerer bis schwerer Inkontinenz. Da sie dicker sind, ist ihre Saugfähigkeit deutlich größer als die von Inkontinenzeinlagen. Elastische Innenbündchen bilden einen zusätzlichen Auslaufschutz. Allerdings bieten Inkontinenzvorlagen ohne Fixierhose (s.u.) wenig Sicherheit und drohen bei starker Mobilität zu verrutschen. Ideal sind diese Hilfsmittel für Senior*innen, die weniger aktiv sind, eventuell die Hausarbeit einer Haushaltshilfe und das Essenkochen einem Menüservice überlassen.

Verschiedene Modelle für Frauen und Männer

Da Inkontinenz bei Frauen wesentlich häufiger vorkommt, sind die Standardausführungen auf die weibliche Anatomie zugeschnitten. Es gibt jedoch auch Inkontinenzhilfsmittel speziell für Männer: Sowohl die Einlagen als auch die Vorlagen sind dreieckig geformt und werden nach hinten schmaler.

Hinweis: Einlagen für Männer sind die richtigen Produkte bei Tröpfcheninkontinenz, dem unangenehmen Tröpfeln nach dem Wasserlassen. Mit einer Penistasche ausgestattete Einlagen fangen die Tropfen zusätzlich auf. Geht mehr Urin verloren, sollten Inkontinenzvorlagen verwendet werden. Sie haben ein größeres Saugkissen und sind damit deutlich leistungsstärker.

Optimaler Sitz mit den passenden Netz- und Fixierhosen

Für die Rutschsicherheit der Inkontinenzvorlagen sorgen spezielle Netzhosen und Fixierhosen. Sie bestehen aus hochelastischen Garnen und passen sich der Körperform bestens an. Nichts wirft Falten oder engt unangenehm ein. Besonders tragekomfortabel sind Inkontinenz-Höschen aus Naturfasern, meistens Baumwolle, denen ein Anteil Elastan beigemischt wurde. Die atmungsaktiven Fixierhosen erinnern an normale Unterwäsche mit einem kleinen Beinansatz. Das lockere Gewebe der hauchdünnen Netzhosen lässt die Luft angenehm zirkulieren. Beide Varianten sind maschinenwaschbar und damit mehrmals verwendbar.

Tipp: Die Benutzung eines Wäschebeutels (Wäschenetz) verlängert die Lebensdauer eines Netz- oder Fixierhöschens. Statt 20 bis 25 sind dann oft bis zu 30 Waschgänge möglich.

Durch ihre hohe Dehnbarkeit sind Netzhosen und Fixierhosen für Frauen und Männer geeignet. Erhältlich sind aber auch geschlechtsspezifische Modelle:

  • Netzhöschen für Frauen haben oft einen höheren Beinausschnitt und wirken daher weiblicher. Zusätzliche Schutzmembranen im Schrittbereich sorgen für noch mehr Sicherheit.
  • Netzhosen für Männer nehmen Inkontinenzvorlage und Penistasche optimal auf. Ihr Schnitt macht diese Modelle einer gewohnten Herrenunterhose ähnlich.
Hinweis: Statt in einer Netzhose kann die Inkontinenzvorlage auch in Kombination mit einem Hüftgürtel getragen werden. Inkontinenzvorlagen mit Gürtel sind für schwerere Formen der Blasenschwäche und für Sitzende im Rollstuhl konzipiert. Der Gürtel wird um die Taille geschlungen und mittels Klettverschlüssen fixiert. Andere Namen für diese Einmal-Variante sind Vorlage mit Hüftgurt oder Hüftbund, Gürtelvorlage und Hüftbundslip.

Inkontinenzwindeln oder Inkontinenzwindelhosen

Bei Menschen mit einer schweren bis sehr schweren Harn- oder Stuhlinkontinenz ist die Saugfähigkeit von Inkontinenzvorlagen nicht ausreichend. Häufig ist gerade die Nachtversorgung das Problem, oder eine Krankheit, die zu Bettlägerigkeit führt. Für diesen Personenkreis gibt es den Kinderwindeln ähnelnde Windeln für Erwachsene.

Inkontinenzwindel © fotoduets, stock.adobe.com
Inkontinenzwindel © fotoduets, stock.adobe.com

Inkontinenzwindeln vereinen praktisch das zweiteilige System aus saugstarker Vorlage und Fixierhose. Sie werden allerdings offen angelegt und an den Seiten mit Klebestreifen oder Klettbändern verschlossen. Die Wiederverschließbarkeit des auch Inkontinenzwindelhose genannten Hilfsmittels ist zudem der entscheidende Unterschied zu der im nächsten Absatz erläuterten Inkontinenzhose. Beide Varianten besitzen elastische Bündchen oder Ränder, die ein Auslaufen verhindern (Auslaufsperren). Die besonders saugfähigen Windeln bzw. Windelhosen können bis zu 3 Liter Flüssigkeit aufnehmen und eignen sich insbesondere für Personen, die im Liegen versorgt werden müssen. Neben den häufiger angebotenen Einwegprodukten sind auch wiederverwendbare Inkontinenzwindeln erhältlich.

Tipp: Bei Bettlägerigkeit und in der Nacht bietet ein Matratzenschutz zusätzliche Sicherheit. Saugende Bettschutzeinlagen zum einmaligen Gebrauch nehmen Körperflüssigkeiten auf und halten das Bett trocken. Als Pflegehilfsmittel zum Verbrauch sind sie eine Leistung der Pflegekasse. Das Hilfsmittelverzeichnis rät zu wiederverwendbaren Bettschutzeinlagen. Sie gehören zu den Pflegehilfsmitteln zur Körperpflege/Hygiene (Produktgruppe 51) und sind geeignet, die eigene Matratze quasi in eine Pflegematratze bei Inkontinenz zu verwandeln.

Inkontinenzunterhosen: Slips & Pants

Die Bezeichnungen können schon verwirren. Daher fasst der Gesetzgeber alle Pants, Flexpants, Einmal-Flexpants, Slips, Pull-Ons und Schutzhosen als Inkontinenzunterhosen zusammen. Tatsächlich schlüpft man in diese Hilfsmittel wie in eine Unterhose. Da die Seiten – anders als bei der Windelhose – geschlossen sind, bevorzugen inkontinente Personen, die noch selbständig die Toilette aufsuchen können, diese Form der Hilfe.

Slips und Pants unterscheiden sich in ihrer Form und Saugleistung. Wie bei den Inkontinenzeinlagen werden sowohl Unisex-Produkte als auch solche für die jeweilige Anatomie von Frauen und Männern angeboten.

  • Inkontinenzslips sind eher dezente Inkontinenzhosen für die leichtere Blasenschwäche. Sie sehen fast aus wie die gewohnte Unterwäsche, haben im Schritt jedoch eine Saugeinlage. Die Slips können in der Waschmaschine zum Wiedergebrauch hygienisch aufbereitet werden. Ist hin und wieder eine höhere Saugstärke wichtig, empfehlen sich Inkontinenzslips mit einer Fixiertasche. Diese nimmt eine zusätzliche Inkontinenzeinlage in der gewünschten Stärke auf.
  • Inkontinenzpants sind eine Kombination aus Inkontinenzvorlage und Fixierhose. Anders als die Fixier- bzw. Netzhosen sind sie in der Regel jedoch nicht waschbar, sondern für den einmaligen Gebrauch bestimmt. Praktisch für das Entsorgen: Flexpants haben an den Seiten elastische Einsätze, die durch Aufreißen geöffnet werden können. Wie die Slips sind auch die Pants nicht für schwere Inkontinenzformen geeignet.

Das individuell richtige Inkontinenzmaterial

Schwere der Inkontinenz Tröpfchen Leicht Mittel Schwer Schwerst
Urinverlust Einige Tropfen bis max. 50 ml pro 4 Stunden Abgang von max. 100 ml pro 4 Stunden Unregelmäßiger Abgang von 100 – 200 ml pro 4 Stunden Unkontrollierter Abgang von 200 – 300 ml pro 4 Stunden Permanenter, unkontrollierter Abgang
Problematik Nachtröpfeln Urinverlust beim Sport, Lachen oder Husten Harndrang kann nicht unterdrückt werden Kontrolle über die Blasen­entleerung Blase kann keinen Harn sammeln
Empfohlene Saugleistung bis 150 ml 150 – 300 ml 300 – 1.000 ml 1.000 – 1.500 ml über 1.500 ml
Empfohlenes Hilfsmittel Inkontinenz­einlagen für Männer Einlagen, Vorlagen, Slips und Pants mit normaler Saugleistung Unterhosen (Slips, Pants) und Windelhosen mit normaler Saugleistung Windelhosen mit erhöhter Saugleistung und Vorlagen mit hoher Saugleistung bzw. mit Hüftgürtel Windelhosen mit hoher Saugleistung und Gürtelvorlagen
Tipp: Ergänzen Sie aufsaugende Inkontinenzhilfsmittel mit wirksamen Hautpflegeprodukten. Feuchtpflegetücher ermöglichen eine Reinigung ohne Wasser. Körperöle machen die Haut geschmeidig. Kühl-Gels aktivieren die natürliche Regeneration. Milde Duschbäder beruhigen die Haut und beleben mit einem angenehmen Duft. Mit einer sorgfältigen Hautpflege kann Austrocknung und Entzündungen wirksam vorgebeugt werden.

Inkontinenz-Badebekleidung für unbeschwerten Badespaß

Kaum zu glauben, aber selbst zum Baden und Schwimmen gibt es passende Hilfsmittel. Spezielle Inkontinenz-Bademode hält die Ausscheidungen zuverlässig zurück. Statt aufsaugendem Inkontinenz-Material wirken hier ein modernste Materialien – und die Physik. Eingearbeitet ist ein sogenannter Sicherheitsslip aus flüssigkeitsundurchlässigem Polyurethan (PU). Individuell anpassbare Beinbündchen und Silikonränder bilden einen nahezu dichten Abschluss. Bereits der Wasserdruck im Schwimmbecken würde das Austreten der Flüssigkeiten verhindern. Mit Inkontinenz-Badebekleidung genießen Badende also einen doppelten Schutz. Inkontinenz-Badeanzüge und -Badehosen sind optisch fast nicht von herkömmlichen Modellen zu unterscheiden. Prima für den Urlaub am Meer, den Aquafitness-Kurs, bei Therapien und Freibadbesuchen.

Tipp: Sicherheitsslips sind auch separat erhältlich. Die sogenannten Inkontinenz-Badeslips werden wie eine Unterhose unter der vorhandenen Badebekleidung getragen. Verschiedene Größen, für Frauen und Männer.

Bei Stuhlinkontinenz empfehlen sich sog. Schwimmwindeln. Sie werden ebenfalls unter der Badebekleidung getragen und halten die Ausscheidungen zurück. Da eine Beschichtung mit Silberionen die gefährlichen E. Coli Bakterien neutralisiert, sind die Hygienestandards der Schwimmstätten eingehalten.

Hinweis: Inkontinenz-Bademode wird nicht von der Krankenkasse bezuschusst. Badehosen gibt es ab ca. 60 Euro, Badeanzüge ab ca. 90 Euro. Badeslips kosten ca. 50-60 Euro, Einweg-Schwimmwindeln ca. 10-12 Euro.

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