Das Wichtigste in Kürze
- Gut ein Drittel der Menschen ab 14 Jahren engagiert sich freiwillig; ab 75 Jahren ist es gut jeder Fünfte (Freiwilligensurvey 2024).
- Wer sich engagiert, lernt neue Leute kennen und erfährt Anerkennung – das berichteten Engagierte in einer Befragung von 2013.
- Passende Aufgaben vermitteln Freiwilligenagenturen, Seniorenbüros und die Engagement-Plattform der Aktion Mensch.
- Klären Sie vor der Zusage Aufgabe, Zeitaufwand, Versicherungsschutz und Aufwandsentschädigung.
Bürgerschaftliches Engagement: Senioren machen mit: von Ehrenamt bis Protestaktion.
Etwas für andere Menschen tun kann eine große Erfüllung sein. Studien haben ergeben, dass sich etwa ein Drittel der Deutschen freiwillig zur Förderung des Gemeinwohls engagiert – laut Freiwilligensurvey 2024 sind es 36,7 Prozent der Menschen ab 14 Jahren. Was wir als Ehrenamt, Selbsthilfe, politische Teilhabe und freiwillige soziale Arbeit kennen, wird gemeinhin unter dem Fachbegriff Bürgerschaftliches Engagement zusammengefasst. Die Ziele sind immer die Stärkung des Zusammenhalts und die Verbesserung von Problemlagen in unserer Gesellschaft.

Dieser Beitrag zeigt die Hauptmotive auf, sich bürgerschaftlich zu engagieren. Speziell ältere Menschen erfahren, welche Möglichkeiten sich ihnen bieten. Viele sind bereits seit Langem freiwillig aktiv, denn sie wissen: Neue Herausforderungen können die Gehirnzellen anregen. Beim bürgerschaftlichen Engagement können neben der Kommunikation bei den regelmäßigen Treffen auch das Pläneschmieden und Sammeln von Erfahrungen geistig mobil halten.
Kennzeichen, Motive und Aktivität der über 60-Jährigen
2002 beschäftigte sich der Deutsche Bundestag eingehend mit der „Zukunft des Bürgerschaftlichen Engagements“ und definierte diese Aktivität als 1. freiwillig, 2. nicht auf materiellen Gewinn ausgerichtet, 3. bezogen auf das Gemeinwohl, 4. öffentlich und 5. in der Regel gemeinschaftlich. Dass dies keineswegs selbstlos sein muss, belegen die in einer Umfrage* ermittelten Erfahrungen der Engagierten: Danach haben die meisten, nämlich 69 Prozent, durch ihre Mitarbeit viele nette Leute kennengelernt, 56 Prozent fühlen sich für ihr Engagement zudem geschätzt und anerkannt. Besonderen Respekt im Freundes- und Verwandtenkreis ernten 40 Prozent der Engagierten; einen Mangel an Anerkennung und Wertschätzung beklagen nur 8 Prozent.
Nach den Motiven gefragt, gaben 73 Prozent der Engagierten an, die Freude an der ehrenamtlichen Aktivität stehe für sie im Vordergrund. Etwa gleichgewichtig sind der Wunsch, anderen zu helfen und der nach Kontakten zu anderen Menschen (86 und 82 Prozent).
Besonders interessant ist der Zusammenhang zwischen Aktivität und Lebensphase. Hier sind die Ergebnisse für die über 60-Jährigen: Bis zum Alter von 75 Jahren sind Senior*innen bürgerschaftlich rege engagiert. In der Befragung von 2013 waren ältere Paare vergleichsweise oft im Kultur- und Musikbereich aktiv, etwa in Chören oder Theatergruppen. Ein vergleichsweise großer Anteil arbeitet zudem im Gesundheits- und Sozialbereich mit. In der Lebensphase über 75 Jahre verringert sich der Anteil der Aktiven deutlich.
Manche möchten sich nicht mehr zu zeitintensiven Aufgaben verpflichten oder können gesundheitlich nicht mehr mithalten. Im Freiwilligensurvey 2024 nannten Engagierte, die ihren Einsatz einschränken oder beenden wollten, vor allem Zeitmangel, gesundheitliche Gründe und den Wunsch, keine Verpflichtungen mehr einzugehen. Ältere Alleinstehende, die sich engagierten, waren laut der Befragung von 2013 vor allem in den Bereichen Kirche und Soziales/Gesundheit aktiv.
*Quelle: Motive des bürgerschaftlichen Engagements. Befragung i.A. des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, 2013
Neuere Zahlen liefert der Freiwilligensurvey 2024: Von den 65- bis 74-Jährigen engagieren sich 36,9 Prozent, ab 75 Jahren sind es 21,1 Prozent.
Ehrenamt als Klassiker
Streng genommen ist das Ehrenamt eine besondere Form des bürgerschaftlichen Engagements. Der Unterschied: Ehrenamtliche Tätigkeiten können auch von der öffentlichen Hand vergeben werden. Die Begriffe fließen jedoch häufig ineinander und der Oberbegriff Freiwilliges Engagement wird selten benutzt. Mobil-bleiben.de schließt sich dem Bundesinnenministerium an und fasst beide Bereiche zusammen. Schließlich sind die allermeisten bürgerschaftlich Engagierten zugleich ehrenamtlich tätig.

Tausende Aufgaben warten auf Ehrenamtler. Hausaufgabenbetreuung, Gassigehen, Fahrdienste und Vorbereitung des Gottesdienstes sind nur einige Beispiele. Menschen im Ruhestand erklären sich besonders gerne zu dieser freiwilligen, unentgeltlich geleisteten Arbeit bereit. Wenn Rente oder Pension den Lebensunterhalt sichern, können sie sich ganz und gar auf den Spaß an der Sache konzentrieren. Doch wie finden Senior*innen das passende Ehrenamt?
- Überlegen, was mit dem Engagement erreicht werden soll. Z.B. Möchte ich Neues lernen oder meine bisherigen Erfahrungen einbringen? Für welche Personengruppe möchte ich mich einsetzen? Wo möchte ich aktiv werden? Wie viel Zeit möchte ich aufwenden? Eine gute Hilfe ist der Engagement-Finder der Aktion Mensch.
- Sich an eine Anlaufstelle wenden. Auch hier empfiehlt sich die Website der Aktion Mensch: Die Engagement-Plattform führt zu zahlreichen Engagements in der Nähe oder von zuhause aus. Ähnliche Ehrenamtsbörsen finden Engagierte bei den jeweiligen Wohlfahrtsverbänden, Kirchengemeinden, Kommunalverwaltungen etc. Freiwilligenagenturen bzw. Freiwilligenzentren beraten und vermitteln übergreifend. Die Bundesarbeitsgemeinschaft der Freiwilligenagenturen (bagfa) organisiert die Netzwerke auf Bundesebene. Lohnenswerte Anlaufstellen vor Ort sind Stadtteilbüros, Begegnungszentren, Seniorenbüros, das Schwarze Brett im Seniorenheim, Selbsthilfezentren und Mehrgenerationenhäuser.
Vor der Zusage: Was Sie klären sollten
Ein Engagement macht dann Freude, wenn Aufgabe und Rahmen stimmen. Sprechen Sie deshalb vor der Zusage mit der Organisation über die wichtigsten Punkte.
Vor der Zusage mit der Organisation klären
Auch wer nicht mehr gut zu Fuß ist, kann sich engagieren: etwa mit Telefonpatenschaften für allein lebende Menschen, als Lesepate per Video oder mit Aufgaben, die sich von zu Hause erledigen lassen. Die Engagement-Plattform der Aktion Mensch zeigt auch digitale Möglichkeiten.
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Orte bürgerschaftlichen Engagements
Bürgerschaftliches Engagement hat viele Ausdrucksformen. Sie reichen von der Mitarbeit in gemeinwohlorientierten Organisationen über direkt-demokratische Bürgerbeteiligung bis zu Protestaktionen. Die meisten Freiwilligen engagierten sich 2009 in Vereinen (46 Prozent), gefolgt von religiösen Einrichtungen (14 Prozent) und Gruppen und Initiativen (13 Prozent). (Quelle: Freiwilligensurvey 2009 nach: Für eine Kultur der Mitverantwortung. Erster Engagementbericht des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, 2012) Laut Freiwilligensurvey 2024 übt fast die Hälfte der Engagierten ihre Tätigkeit in einem Verein aus. Mobil-bleiben.de zeigt die Unterschiede auf und regt zum Mitmachen an.
Vereine

Der Begriff Verein ist sehr weit gefasst. In rechtlicher Hinsicht gehören auch Interessensverbände, Wirtschafts- oder Wohlfahrtsverbände, technische Vereine wie der TÜV und sogar manche Parteien dazu. Typische Vereine konzentrieren sich auf gemeinsame Interessen und dienen mehr dem Austausch ihrer Mitglieder als dem Allgemeinwohl. Sportvereine, Hobbyvereine, Sammlervereine, Traditionsvereine, Musikvereine sind beispielsweise solche Selbstzweck-Vereine. Daneben stehen einerseits die Selbst- und Fremdhilfe-Vereine, die sich die Unterstützung Hilfsbedürftiger zur Aufgabe machen, und andererseits die ideellen Vereine, die z. B. gemeinnützige oder weltanschauliche Ziele verfolgen.
Für die Suche nach einem Sportverein einfach mal auf den Seiten des Stadtsportbunds stöbern. Ein Zusammenschluss einzelner Vereine in Verbänden ist häufig. Bekannte Beispiele sind der Deutsche Alpenverein, der Verband Deutscher Brieftaubenzüchter und die Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege (BAGFW). Auch das Studieren der Anzeigen in der Lokalpresse kann erfolgreich sein.
Kirchen und religiöse Gemeinschaften
Religiöse Einrichtungen bezeichnen die ehrenamtliche Tätigkeit normalerweise nicht als bürgerschaftliches, sondern als freiwilliges oder soziales Engagement. Die Ziele sind jedoch die gleichen: Mitwirkende zu finden, die zum Wohl der Allgemeinheit beitragen und ihre eigenen Begabungen einsetzen möchten.
Das Ehrenamt gehörte immer schon zum Portfolio kirchlicher Aufgaben. Schließlich basiert die christliche Lehre auf Nächstenliebe und Barmherzigkeit. Heute ist die Kirche mehr denn je auf ehrenamtliche Helfer angewiesen. Dass diese Mitarbeit Freude macht und Sinn stiftet, dass es überaus erfüllend ist, Glaube, Liebe und Hoffnung in der Gemeinschaft lebendig werden zu lassen, belegt die große Zahl der freiwillig Engagierten. In der evangelischen Kirche waren es 2024 laut EKD rund 886.000, in der katholischen nach Angaben der Bischofskonferenz rund 600.000. Hinzu kommt das ehrenamtliche Engagement in Einrichtungen der Diakonie und der Caritas. Der Frauenanteil ist in der evangelischen Kirche mit knapp 70 Prozent besonders hoch.

Zum Spektrum zählen nicht nur das Reinigen des Kirchenraums und der liturgischen Geräte, sondern beispielsweise auch die Leitung der Chorgruppe oder eines Bibelkreises, die Begleitung bei Besuchen in der Gemeinde und die Mitgestaltung bei festlichen Anlässen. Oft erhalten die Freiwilligen eine Aufwandsentschädigung.
Bürgerinitiativen
Im Unterschied zu den beiden vorgenannten Orten bürgerschaftlichen Engagements sind Bürgerinitiativen meistens politisch ausgerichtet. Im Unterschied zu politischen Parteien beschränken sie sich meist auf ein einziges Sachproblem. Die basisdemokratischen Bürgerinitiativen organisieren und koordinieren die Maßnahmen, die zum Erreichen des Ziels erforderlich sind. Dazu zählen Unterschriftendsammlungen, Demonstrationen, Petitionen und Bürgerbegehren.

Sich im Rahmen einer Bürgerinitiative zu engagieren, bedeutet Herausforderung und Erfüllung zugleich. Wie lohnend ist es doch, sich FÜR bessere Umweltbedingungen, mehr Bildungsstätten oder den Bau eines Kinderspielplatzes einzusetzen! Oder GEGEN den Bau überdimensionierter Warenlager von steuerzahlungsunwilligen Großversendern, die Vernichtung von Dörfern für den Braunkohletagebau oder schlichtweg die leeren Versprechungen der Regierenden! Jedem mündigen Bürger fallen an dieser Stelle zig weitere Beispiele ein.
Politischer Protest ist zum Glück ein Grundrecht. Unsere Demokratie braucht Menschen jeden Alters, die dafür kämpfen. Ansonsten versinken wir in Lobbypolitik und laufen Gefahr, zum Spielball undemokratischer Kräfte zu werden. Organisationen wie campact!, OXFAM und Greenpeace sind perfekte erste Anlaufstellen für alle, die sich politisch engagieren möchten.
Das Wichtigste in Kürze Wer sein Wissen weitergibt, lernt selbst dazu – schon Seneca beschrieb das Prinzip „Durch Lehren lernen… weiterlesen



